Geschichte

Gründung des Vereins und Sportgeschichte

Texte auszugsweise aus der Jubiläumsschrift 75 Jahre Turnverein Borken 1922 e.V. entnommen

Man schrieb das Jahr 1922, da trafen sich am 29. März 22 Borkener Sportler insbesondere Turner in der Gaststätte Spangemacher mit der Absicht, einen Turnverein zu gründen. Der Verein sollte konfessionell unabhängig sein und sich der Deutschen Turnerschaft anschließen. Den Borkener Bürgern und sinbesondere der Jugend sollte neben Geräteturnen, Freiübungen (Gymnastik), Leichtathletik auch Faustballspiel und evtl. Handball angeboten werden. Die Neugründung gab sich den Namen Turn- und Spielverein Borken DT. Zum 1. Vorsitzenden wurde Hermann Ridder gewählt. Zum Schriftführer bestellte die Versammlung den Turnbruder Terstesse. Ein neuer Sportverein war geboren. Es sollte ihm ein längeres Leben beschert sein, als seinen Vorgängern.

1923
Der neue Verein wurde von den Bürgern angenommen und es ging gut voran. Es wurden regelmäßig Monatsversammlungen durchgeführt. Der Verein gab sich eine Satzung. Neben Geräteturnen wurde Faustball gespielt. Auch Leichtathletik wurde betrieben. Es wurden bereits Vorbereitungen für ein Werbeturnen im nächsten Jahr getroffen.

1924.
In der am 31. Januar stattgefundenen Monatsversammlung wurde festgelegt, dass das Schau- und Werbeturnen am 10.5. im städtischen Saal stattfinden sollte. Auch Turner aus den Nachbarvereinen sollten mitwirken. Der Verein war bestrebt, seine Tätigkeit der Öffentlichkeit nahe zu bringen. .
In der Monatsversammlung wurde weiter herausgestellt, dass das Wandern eine wichtige Rolle im Vereinsleben spielen soll. In diesem Jahr fand auch das Frauenturnen Aufnahme im Verein. Zur damaligen zeit eine Sensation. Die Durchführung war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Der Verein war bestrebt, sich allen Schichten der Bevölkerung zu öffnen. Er war also recht modern.

1925
Die Entwicklung des Vereins ging zielstrebig weiter. Hand- und Faustballspiel hatten festen Fuß gefasst. Bald fanden bereits Pflichtspiele in beiden Sportarten mit den Nachbarvereinen statt. Zur Handballmannschaft gehörten damals Walter Buchmann, Hermann Schmäing, Bernhard Dillhagen u.a.
In der Monatsversammlung am 1.9. wurde auch darüber diskutiert, eine Fußballmannschaft aufzustellen. Dazu kam es jedoch nicht.

1926
Wie aus einem Hinweis am 24.1 zu entnehmen ist, bereitete die Durchführungen der Turnstunden Schwierigkeiten, weil es an geeigneten Räumlichkeiten fehlte. Eine Turnhalle war nicht vorhanden. Der städt. Saal wurde oft für andere Zwecke benutzt und der Saal im Hotel Nienhaus stand kaum zur Verfügung. In der Monatsversammlung am 2.2. im Vereinslokal Evers wird festgestellt, dass der Verein fast 100 Mitglieder zählt.
Regelmäßig wurde Faust- und Handball gespielt. Auch die Leichtathleten machten von sich reden. Besonders die 4 x 100 m Staffel ist zu erwähnen mit Günter Beckmann, Willi Renzel, Bernhard Wansing und Adolf Winking.

Faustballmannschaft Frauen, Sportplatz Burloer Str. 1927
Die Faustballspieler beteiligten sich bereits bei den Gaumeisterschaften. Hierfür wurde eifrig trainiert. Allerdings musste auch der Wettergott mitspielen. Das Training fand an der Burloer Str. statt.
Es ist wichtig zu vermerken, dass auch das Faustballspielen der Frauen im Verein gute Fortschritte gemacht hatte.

 

 

1928
Bereits am 13. Januar fand in diesem Jahr die Generalversammlung im Vereinslokal Evers statt. Sie war von besonderer Bedeutung, weil der bisherige Vorsitzende Hermann Ridder sein Amt als 1. Vorsitzender wegen Ortswechsel aufgeben musste. Als sein Nachfolger wurde Gustav Brönhorst gewählt.
Der Verein war bestrebt durch gesellschaftliche Veranstaltungen die Kameradschaft und den Zusammenhalt der einzelnen Abteilungen zu fördern. So fand am 22.1. das traditionelle Winterfest im Saale Nienhaus statt.

1929
Es waren schwierige Zeiten. Gemeinsamkeit und Zusammenhalt war das Gebot der Stunde.
Am 17.3. fand ein Handballspiel gegen Dorsten statt.

1930
Das war ein besonderes Jahr für den noch jungen Verein. Er war zum Ausrichter des Bezirksturnfestes bestellt worden, eine Herausforderung. Jedoch durfte der weitere Sportbetrieb nicht unter dieser Aufgabe leiden.
So wurde am 12.1. ein Handballmeisterschaftsspiel gegen Velen ausgetragen. Weitere Spiele folgten.
Der Verein bemühte sich auch um die älteren Bürger. Er warb für die Aufstellung einer Herrenriege. Am 14. und 15.6. fand die für Borken bis dahin größte Veranstaltung statt, das 14. Bezirksturnfest.

1931
Die Großveranstaltung im vergangenen Jahr gab dem Verein einen erheblichen Aufschwung. Der Chronist verzeichnet neben den Meisterschaftsspielen der Handball- und Faustballabteilung zahlreiche Vergleichskämpfe im Turnen und in der Leichtathletik.
Herausragendes Ereignis war der Mannschafts-Gerätekampf der Deutschen Turnerschaft. Ausrichter war der Turn- und Spielverein Borken.

1932
Der Verein versuchte immer wieder, sein Wirken der Öffentlichkeit vorzustellen. So beim Werbeturnen am 3.2. im Saale Nienhaus. Besonderen Beifall fanden die Übungen der Turnerinnen.

1933
Das Vereinsjahr fing recht fröhlich an. So wurde am 17.1. das Winterfest und am 25.2 der Fastnachtsball im Saale Nienhaus gefeiert. Man konnte noch nicht ahnen, was auf den Verein zukam. Wenige Monate später wurden die Vereine, die der Deutschen Jugendkraft angehörten , aufgelöst. Die Mitglieder schlossen sich je nach Neigung dem Turn- und Spielverein oder dem Borkener Fußballverein an. Jedoch auch diese beiden Vereine sollten bald ein ähnliches Schicksal erleiden.

1934Waldlaufmeisterschaften 1934 in Borken
Die Mitglieder des Vereins ließen sich zunächst jedoch nicht beirren, hielten die Monatsversammlungen ab und feierten auch das Winterfest. Jedoch erreichte die allgemeine Gleichmachung auch die Borkener Sportvereine. Der bisherige Turn- undSportverein Borken musste seine Selbständigkeit aufgeben. Die Umorganisation ging weiter, sie wurde von höherer Stelle angeordnet. Statt der Bezirksturnfeste waren es nun Ringhallenturnfeste.
Besonderen Stellenwert bekamen die Waldlaufmeisterschaften.

1935
Vereinsleiter Zimmermann konnte zahlreiche Mitglieder am 7.1. zum Schau- und Werbeturnen, verbunden mit einem Winterfest, begrüßen.
Der Waldlauf am 3.2. war dem Winterhilfswerk gewidmet. Das Startgeld betrug 10,-RM, der Eintritt am Ziel für Zuschauer 0,10RM.. Es lagen 34 Meldungen vor.
In der Presse wurde am 17.3. darauf hingewiesen, dass die Turnerinnen in den BDM ? Bund Deutscher Mädel- eintreten sollen und umgekehrt.
Die Zugehörigkeit der Städte und Kreise wurde neu geordnet. Die Kreise Ahaus, Borken, Coesfeld, Steinfurt und die Stadt Bocholt bildeten nun den Westmünsterländer Turnkreis.

1936
Nach längerer Pause wurden in den verschiedenen Sportarten am 19.7. wieder Stadtmeisterschaften ausgetragen.

1937
Die Turner und Turnerinnen hatten sich eine gewisse Selbständigkeit bewahrt. So feierten sie, wie früher, ihr Winterfest im Saale Nienhaus.

1938
Das herausragende Ereignis in diesem Jahr war das Deutsche Turnfest in Breslau. Hier konnte man bereits die um sich greifende ideologische Überlagerung des Sports durch politische Eingriffe feststellen.
Die alltägliche Arbeit, Umfang des Trainings wurde dadurch stark behindert, dass die Jungen und Mädchen der Hitlerjugend bzw. dem BDM beitreten mussten. Durch Einberufung junger Männer zur Wehrmacht konnte der Sportbetrieb nicht in gewohnter Weise aufrecht erhalten werden.

1940
Nunmehr erfolgte ein weiterer harter Eingriff in die Vereinsgeschichte. Gemäß Vorschrift musste der Verein folgende Formulierung in seine Satzung aufnehmen:
Der Verein bezweckt die leibliche und charakterliche Erziehung der Mitglieder im Geist des Nationalsozialismus durch planmäßige Pflege der Leibesübungen und Mitglieder können nicht Personen sein, die nicht deutschen oder artverwandten Blutes ?oder solchen gleichgestellt- sind Besondere Vorkommnisse in den Kriegsjahren ließen sich nicht feststellen. Daraus ist zu schließen, dass der Turnbetrieb vollständig zum Erliegen kam.

Neubeginn 1946
Auszug aus dem Tagebuch des Turn- und Sportvereins Borken ?TUS-

Durch Fliegerangriff im März 1945 gingen sämtliche Unterlagen verloren. Während des Krieges 1939 bis 1945 ruhte der Turnbetrieb vollkommen.
Im März 1946 rief der Turnbruder Clemens Kutsch einen kleinen Kreis ehemaliger Turner zusammen. Es waren 10 Mann anwesend. Trotz der fast unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten wurde die Wiederaufnahme des Turnbetriebes beschlossen. Das größte Problem war die Beschaffung eines geeigneten Raumes, denn die ehemalige Turnhalle war zu einem Kino umgebaut worden.
In der festen Zuversicht, dass der alte Turngeist auch in der arg zerstörten Stadt Borken und trotz der riesengroßen Schwierigkeiten in der alten Frische wieder aufleben wird, wurde die erste Versammlung beschlossen.

1947
Der Vorstand nahm seine Arbeit auf. Auf Anordnung 104 der Militärregierung bedurften sämtliche Turn- und Sportvereine einer Erlaubnis, um ihren Sportbetrieb weiterführen zu können.

Handball und Faustball konnte auf dem Sportgelände an der Burloer Straße ? heute Wilger- gespielt werden. Aber in welchem Zustand war der Platz. Wenn es geregnet hatte, ging nichts mehr. Die Leichtathleten mussten improvisieren. Eine Laufbahn gab es nicht mehr.. Wie Teilenehmer erzählten, hatten sie bei all den unzureichenden Dingen viel Spaß.
Wie aber sah es bei den Turnern aus? Es blieb nur eine Baracke im Trier. Bei dieser Holzbaracke handelte es sich um ein Relikt aus dem früheren Reichsarbeitsdienst. Es kam dann schon mal vor, dass plötzlich das Licht ausfiel und die Sportler im Dunkeln standen. Aber man wusste sich zu helfen. Fahrräder, die mit einem leistungsfähigen Dynamo ausgestattet waren, mussten dann für eine notdürftige Beleuchtung sorgen. Wer im Sommer nach getaner Arbeit an den Turngeräten Erfrischung suchte, musste über einen Zaun in die nahegelegene Badeanstalt schleichen, um sich wenigstens waschen zu können. Aber wehe, der in der Nähe wohnende Bademeister hörte das plätschern, schnell musste dann das Weite gesucht werden.

1949
Aber es gab auch Rückschläge. So musste das Handballspielen eingestellt werden, weil keine Mannschaft aus verkehrstechnischen Gründen nach Borken kommen wollte.

Von da an entwickelte sich der Verein aber beständig weiter zu einem der großen Sportvereine der Stadt Borken. Wer mehr wissen möchte, dem sei die Vereinschronik des TV Borken empfohlen. In ihr sind viele weitere Geschichten und Fotos zu finden.