André Slawski: „Es fühlt sich nicht nach Handball an

Handball: Der Trainer des Landesligisten TV Borken über die Tücken der Vorbereitung

 

Anfang März war plötzlich Schluss. Erst Mitte Juni ging’s endlich weiter für die Landesliga-Handballer des TV Borken. Die muss Trainer André Slawski nach über dreimonatiger Kontaktpause mit dem Spielgerät nun aber in der Saison-Vorbereitung erst mal wieder mit dem Ball vertraut machen. Unter schwierigen Bedingungen.

 

Trainer André Slawski (Mitte) bereitet sein Team einstweilen noch unter kniffligen Umständen auf die nächste Landesliga-Saison vor. Er sagt: „Ich gehe von einer sehr schweren und harten Spielzeit für uns aus.“

Denn wo Training draufsteht, ist nicht wirklich viel davon drin oder möglich, wie der Coach des Tabellenvierten der abgebrochenen Vorsaison im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Martin Ilgen sagt.

 

Sie haben nun mit Ihrer Mannschaft die Vorbereitung für die hoffentlich am 6. September startende Landesliga-Saison aufgenommen. Wie wohltuend empfinden Sie die Rückkehr in diese Art Normalität?

Slawski: Was soll man sagen?Unsere Rückkehr in die Halle erfolgte unter strengsten Auflagen. Aktuell haben die Trainingsinhalte wenig mit Handball zu tun. Sie sind vielmehr darauf ausgelegt, in mit Abstand auf die gesamte Halle verteilte Kleingruppen zu agieren. Wir sind im Training eindeutig darauf aus, die vorgeschriebenen Dinge hinsichtlich Corona umzusetzen. Jeder meiner Spieler soll die Corona-Warn-App auf seinem Handy haben. Ein Handball-spezifisches Training zu Corona-Zeiten aufzuziehen, das ist teils ernüchternd.

 

Weil Vorsicht geboten ist?

Slawski: Ja. Um sich zu verbessern, fehlt der direkte und harte Körperkontakt gänzlich. Keine gegnerische Abwehr dieser Welt interessiert sich dafür, wenn wir uns den Ball auf 13 oder 14 Meter hin und her passen. Man braucht Kontakt, um eine Abwehr ausspielen zu können. Ehrlich gesagt: Es fühlt sich nicht nach Handball an.

„Ich find’s unglaublich, dass man in Sachen Saisonstart nicht einheitlich vorgeht“

 

Training ist das eine. Praxistests aber könnten eine Prise Salz in die noch etwas trübe Suppe der Vorbereitung geben. Haben Sie bereits Ihre Fühler nach Gegnern ausgestreckt?

Slawski: Wir hatten bis Mitte dieser Woche acht Trainingsspiele vage geplant und in Aussicht. Davon fallen jetzt aber gleich vier weg, weil der westfälische Verband mit der Saison vier Wochen später anfängt, als unser niederrheinischer. Denn ich hatte westfälische Mannschaften als Gegner für Testspiele vorgesehen. Die beginnen jedoch nun erst später mit ihrer Vorbereitung. Also wurden die Tests von denen abgesagt. Ich find’s unglaublich, dass man in Sachen Saisonstart – Stand heute – nicht einheitlich vorgeht. Wir müssen uns, sofern Spiele überhaupt durchführbar sind, also mit unserer A-Jugend aus der Nordrheinliga und unserer zweiten Mannschaft bezüglich Tests kurzschließen.

 

Können Sie den Leistungsstand Ihrer Spieler beschreiben, nachdem die aus der Zwangspause zurückkehrten?

Slawski: Den aktuellen Leistungsstand der Mannschaft kann ich nur so beschreiben, dass man ihr die lange Pause stark anmerkt. Schnelle Pässe, Laufwege, Torabschlüsse, Schnellkraft – das sind alles Dinge, die nun nach und nach wieder intensiv aufgebaut werden müssen.

„Andere Mannschaften sind individuell stärker bestückt“

 

Ihre Mannschaft lebt von Kraft, Teamgeist – und vor allem harter Arbeit im Training…

Slawski: Absolut. Und da sehe ich eine große Gefahr im Vergleich zu unserer Konkurrenz. Wir gehören zu der Kategorie von Teams, die sich den Platz in der oberen Tabellenhälfte durch intensives Training hart erarbeiten mussten. Andere Mannschaften sind individuell stärker bestückt und haben nach langer Pause vielleicht nicht unbedingt die Sorge, technisch auf das alte Niveau zu kommen. Auch deswegen gehe ich von einer sehr schweren und harten Landesliga-Spielzeit für uns aus.

Zumal es Verstärkungen von extern vermutlich nicht geben wird. Wie sieht‘s denn mit neuen Gesichtern aus der eigenen Jugend aus?

Slawski: Wir werden sukzessive A-Jugendliche in unser Team einbauen. Unser ältester Nachwuchs ist bärenstark. Bleiben alle Jugendlichen dem Handballsport in Borken verbunden, dann haben wir in drei bis vier Jahren eine erste Mannschaft beisammen, die definitiv Verbandsliga-Niveau vorzuweisen hat. Da bin ich mir ziemlich sicher.

 

Und auf welches Niveau wollen Sie die Mannschaft in der kommenden Saison heben?

Slawski: Ganz klar: Wir wollen Platz vier bestätigen. Doch auf diesem gehobenen Landesliga-Niveau sind wir noch lange nicht. Aber wir haben ja zum Glück auch noch acht Wochen Zeit bis zum geplanten Saisonstart Anfang September.