André Slawski: „Es war definitiv die richtige Entscheidung“

Borkens scheidender Trainer über den Abbruch und Abschied – als wertloser Spitzenreiter

 

Es war André Slawskis sechste Spielzeit als Trainer des Landesligisten TV Borken. Als Tabellenführer hinterlässt er nun eine Mannschaft, die sich von ihrem Platz an der Sonne aber nichts kaufen kann.

 

Sechs Jahre lang machten sie gemeinsame Sache und treten nun gemeinsam ab. Borkens Trainer André Slawski (links) und sein Co. Jens Bietenbeck. Und ebenso gemeinsam wollen die beiden künftig die Spiele „ihrer“ Mannschaft von der Tribüne aus verfolgen.

Die Handball-Saison wurde vom niederrheinischen Verband im Februar abgebrochen und für wertlos erklärt. Zu früh? Die Infektionszahlen steigen zwar aktuell wieder, aber auch die Aktien, dass ab Mai doch wieder Wettkampfsport möglich ist – natürlich im Rahmen festgesetzter Inzidenz-Grenzen. Auch darüber sprach unser Redaktionsmitglied Martin Ilgen mit dem 47-Jährigen.

 

Fast etwas unverhofft könnte auch der Hallensport doch noch in diesem Frühjahr eine Chance bekommen. Der Basketball-Verband jedenfalls hofft noch auf einen Start Anfang Mai. Wurde beim Handball etwa zu früh die Flinte ins Korn geworfen?

Slawski: Nein, auf keinen Fall. Mit Blick auf die damaligen und auch heutigen Inzidenzen, wäre eine Handball-Saison und ein Trainingsbetrieb nicht umsetzbar gewesen. Es war definitiv die richtige Entscheidung, die Spielzeit nicht mehr fortzusetzen.

 

„Wir alle waren natürlich sehr enttäuscht“

 

Wie enttäuscht war Ihre Mannschaft nach dem Abbruch? Schließlich hätten die Spieler mit dem Aufstieg einen Erfolg erreichen können, den sie nicht so oft im Leben feiern dürften.

Slawski: Wir alle waren natürlich sehr enttäuscht. Wir hatten uns eine sehr gute Ausgangssituation geschaffen und hätten uns in den damals im Herbst folgenden Begegnungen sehr gerne weiter als Tabellenführer mit unseren Gegnern gemessen. Wir haben uns von Jahr zu Jahr verbessert und sind in der Tabelle im weiter nach oben geklettert. Wir waren und sind uns einig, dass wir in der abgebrochenen Saison noch stärker als zuvor waren. Es wäre sicherlich sehr spannend geworden.

 

Erst in einem halben Jahr wird’s für die Spieler wieder um Punkte gehen. Wie können Sie die Truppe nun bei Laune halten?

Slawski: Die Mannschaft hat viele Trainingseinheiten online absolviert – teils selber organisiert, teils mit kreativen Inhalten von meinem Assistenten Jens Bietenbeck. Einige laufen mittlerweile einen Halbmarathon, andere fahren über 100 Kilometer mit dem Rad. Einfach nur klasse. Aber uns fehlt der Ball in der Hand. Kein Online-Training und keine Laufeinheit ersetzen das Trainieren in der Halle mit dem Ball. Jeder von uns würde liebend gerne wieder in die Halle.

„Wir haben uns auf den 31. Mai als offiziellen Termin für die Übergabe der Mannschaft verständigt“

 

Sie werden zur neuen Saison das Team an Sven Esser übergeben. Gab’s schon eine Übergabegespräch? Wird Ihr Nachfolger nun vielleicht schon früher als geplant, also schon im Frühjahr, den Landesligisten übernehmen und auf die neue Saison vorbereiten?

Slawski: Wir haben uns auf den 31. Mai als offiziellen Termin für die Übergabe der Mannschaft verständigt. Jens Bietenbeck und ich wollen gerne noch – wenn möglich – ein paar Einheiten gemeinsam mit den Jungs absolvieren. Die Saison wäre unter normalen Umständen Mitte Mai beendet worden. Sven Esser und ich haben uns nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels einigemale ausgetauscht. Und wir bleiben in Kontakt. Er weiß, dass er mich jederzeit ansprechen kann, sofern er Infos oder Inhalte benötigt.

 

Sie dagegen wollen als Handball-Trainer eine Pause einlegen. Bleibt’s dabei? Gab’s trotz Ihrer Willensbekundung Anfragen von anderen Klubs?

Slawski: Ja, es bleibt definitiv bei einer Pause. Ich freue mich darauf, Handballspiele aus der jetzigen Liga zukünftig als Gast auf der Tribüne verfolgen zu dürfen. Gleiches gilt für Jens, mit dem ich gedanklich schon einige Spiele durchgegangen bin, die wir uns gemeinsam anschauen wollen. Kontakte zu anderen Vereinen gab’s. Jedoch war für mich immer klar, dass ich pausieren möchte. Erst mal.