Borkens Handball-Nachwuchs auf neuer Flughöhe

Handball: Stadt gibt grünes Licht für Leistungssport bei den A-Junioren – in der zweithöchsten Spielklasse

 

In der Vorsaison waren die B-Junioren des TV Borken meist unterfordert. Im engen Rennen um den Platz an der Sonne in der Oberliga musste das Team von Trainer Tim Westheider beim Corona-Abbruch nur der HSG Neuss/Düsseldorf den Vortritt lassen. In der kommenden Saison wechselt Borkens „goldener Jahrgang“ nun die Flughöhe. Als A-Junioren schreiben sie Geschichte.

 

Dominik Kutsch (Mitte) ist mit den A-Junioren des TV Borken in der kommenden Saison hochklassig gefordert. In der Regionalliga Nordrhein ist für die Borkener Handball-Talente der Sprung in die Meisterrunde das Ziel.

Noch nie zuvor war der Nachwuchs des Klubs derart hochklassig unterwegs. Seine neue Heimat wird ab Mitte September die Regionalliga Nordrhein sein.

Über Monate hatten sich Stadt und Verein ausgetauscht. Vor wenigen Tagen kam dann endlich die amtliche Zusage. Hand in Hand mit dem TV Borken ebnete die Stadt Borken den Weg dieser Mannschaft in die zweithöchste deutsche Handball-Spielklasse.

„Damit sind wir im Leistungssport angekommen. Wir sind sehr froh darüber, dass sich die Stadt zum Leistungssport bekennt und den mitträgt“, sagt Westheider, der in den Gesprächen mit der Stadt nicht nur einen gemeinsamen Willen, sondern schließlich auch einen Weg fand. Schließlich unterliegt nicht nur die Saison-Vorbereitungsphase strengen Regeln, sondern auch der Spielbetrieb in der Regionalliga. Das größte Problem: Harz.

Stadt Borken erlaubt ausnahmsweise Nutzung von Harz

 

Ein Haftmittel, dessen Nutzung in den Hallen dieser Spielklasse den Statuten nach zwingend erlaubt sein muss. Harz ist für Handballer eben wie Stollenschuhe im Fußball, Spikes beim Sprint, Magnesia im Turnen. „Es ist ein Hilfsmittel, das unsere Sportart auf ein höheres Niveau bringt“, erklärt Westheider. Allerdings klebt die Patte nicht nur an den Händen, am Ball und auf den Klamotten, sondern eben auch auf den Hallenböden. Weshalb die Nutzung von Harz in Borkens Hallen städtischerseits bisher ausnahmslos untersagt war.

Nun aber fand der Klub im Austausch mit der Stadt eine tragfähige Lösung und erhielt die ersehnte Freigabe: Die A-Jugend des Klubs darf harzen. Und das nicht nur in den Meisterschaftsspielen.. „Das würde keinen Sinn machen“, erklärt Westheider, „das muss trainiert werden.“ Handballer wissen: Mit Harz verfügt der Ball über einen eigenen Willen. Die Kraftdosierung bei Pässen und Würfen muss angepasst werden, mit dem Kleber an den Händen überträgt sich jeder Impuls, der während des Armzugs entwickelt wird, schneller und direkter auf den Ball.

Westheider: „Die Rahmenbedingungen sind damit geschaffen“

 

Also darf auch vor den Trainingseinheiten in den Topf mit dem Haftmittel gegriffen werden, das den nötigen Krafteinsatz der Finger verringert und eine feine Koordination im Handgelenk und Trickwürfe ermöglicht. An den Reinigungskosten des Bodens beteiligt sich der TV Borken.

„Die Rahmenbedingungen sind damit geschaffen. Nun wollen wir auch sportlich zeigen, dass wir in diese Spielklasse gehören“, sagt Westheider, der zusammen mit Leon Arndt Borkens ältesten Handball-Nachwuchs auf die Reise durch die Regionalliga schickt.

Normalerweise sieht der Verband Qualifikationsrunden für die Teilnahme am Spielbetrieb der Nordrheinliga vor. Aber weil in Zeiten von Corona wenig normal ist, genügten jetzt ausnahmsweise schriftliche Anträge der Klubs. „Wir hätten natürlich lieber sportlich gezeigt, dass wir dazugehören. Das hätten wir vermutlich problemlos hinbekommen“, schwärmt Westheider von seiner jungen, 17-köpfigen Truppe. Er hofft kurzfristig nicht nur darauf, dass sich Borken in dieser Altersklasse zu einer Art „Hotspot“ für Spieler aus dem Umland entwickelt, sondern denkt mittelfristig auch an eine nachhaltige Stärkung der ersten Mannschaft.

Verzahnung mit den Landesliga-Herren

 

Eine Verzahnung mit den Landesliga-Herren von Trainer André Slawski ist bereits im Gange. Jeden Freitag trainieren A-Junioren mit den Senioren. Es ist aber nur eine von wöchentlich bis zu fünf Übungseinheiten, in die auch Lauftrainings und spezielle Athletiktrainings, geleitet von Philipp Klar vom Bewegungszentrum Vital, integriert werden. Westheider: „Wir bewegen uns nun in einem professionellen Umfeld. Und so müssen wir auch trainieren.“

Weil satte 24 Vereine ihr Interesse an der A-Junioren-Regionalliga äußerten, entschied sich der Verband zu einer Zweiteilung der Serie 2020/2021 in der Nordrheinliga. In drei Gruppen spielen nun jeweils acht Mannschaften bis Ende November ihre zwölf besten aus, die dann – ab dem 12. Dezember – an der Meisterrunde teilnehmen dürfen. Das schwächere Dutzend wandert in die Trostrunde.

Test gegen den Bundesligisten TUSEM Essen

 

Der TV Borken trifft zum Auftakt der Vorrunden-Gruppe C am 20. September auf Bayer Uerdingen. „Natürlich wollen wir in der Meisterrunde landen. Das können und sollten wir schaffen“, formuliert Westheider seine Erwartungshaltung ans Team. Und er unterstricht das Vertrauen in die eigene Kraft mit anvisierten Härtetests. Quasi als Vorspeise der Regionalliga-Saison soll’s unter anderem einen Vergleich in der Vorbereitung mit dem Bundesligisten TUSEM Essen geben.