Eine rasante Achterbahnfahrt im Topspiel in Rhede

Handball-Verbandsliga: TV Borken unterliegt dem Spitzenreiter mit 23:24

 

Topspiel stand auf der Verpackung dieses Spiels, Risiken und Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel. Und auf dem war vor allem nervenzerfetzende Spannung aufgeführt. Bis zu letzten Minute war diese Partie des Tabellenvierten TV Borken beim Verbandsliga-Spitzenreiter HC TV Rhede eine heiße Kiste, ehe dann die gastgebenden Rhederinnen die Arme hoch reißen durften. Im Kreis hüpfend feierten sie ihren 24:23 (11:8)-Derbysieg und hinterließen traurige Borkenerinnen.

 

Kraftvoll setzt sich Borkens Astrid Heidt (links) gegen Rhedes Verena Tetiedt durch. Nach sieben ungeschlagenen Begegnungen riss die Serie des TV Borken durch das 23:24 beim Verbandsliga-Spitzenreiter.

„Natürlich ist unsere Enttäuschung groß“, sagte Trainer Michele Grimmelt nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle vor prallgefüllten Sitzreihen im Rheder Schulzentrum. „Aber kein Vorwurf an die Mannschaft. Sie hat über weite Strecken richtig gut gespielt.“ Weniger gut waren er und sein Borkener Trainer-Kollege Jörg Levermann dagegen auf die Leistung des Schiris zu sprechen. Levermann nahm ein Blatt vor den Mund, als er von einer „kreativen Regelauslegung“ sprach.

Nachdem Borken einen klasse Start hingelegt hatte und nach zehn Minuten mit 6:2 in Front lag, fielen fünf Zeitstrafen gegen die Gäste in die Phase bis zum Seitenwechsel. Rhede dagegen spielte bis zur Pause in voller Besetzung, hatte die anfängliche Überfalltaktik Borkens verkraftet, glich nach 19 Minuten zum 7:7 aus und ging sechs Minuten vor der Halbzeitpause beim 9:8 erstmals in Front. „Wir haben wohl zu viel Respekt vor unserer eigenen Leistung bekommen“, fahndete Levermann nach weiteren Gründen dafür, warum seinem Team zwischen der 21 und 30 Minute kein einziger Treffer mehr gelang.

Na klar, der Gegner war ein starker, einer, der hinten konsequent abriegelte und vorne mal kreativ, mal wuchtig abschloss – und sogar bis auf 18:12 (41.) davonzog. Die Begegnung schien einen klaren Sieger zu finden, zumal Borken den Rheder Abwehrbeton nicht zerbröseln konnte und Rhedes Torfrau Lena Klein-Schmeink aus der Distanz und über die Außen nahezu alles wegfischte.

Der Gast, angeführt von einer erneut überragenden Esther Langenhoff, aber steckte den Kopf nicht in den Sand, fasste nach einigen gelungenen Aktionen wieder neuen Mut, war binnen acht Minuten beim 18:20 wieder bis auf zwei Tore dran. Es war der Beginn einer dramatischen Schlussphase, in der Langenhoff 23 Sekunden vor Schluss per Siebenmeter zum 23:24-Anschluss traf. Rhede aber brachte die Führung über die Ziellinie.

TV Borken: Kamps, Rafael (Tor); Langenhoff (9), Milsom-van de Loecht (3), Hövelbrinks, Saltapidas, Heidt, Stroick, Hörnemann (je 2), Nondorf (1), Tepferd, Lechtenberg, Meier, Möllmann