Levermann: „Wir wollen es auch nicht übertreiben“

Der Trainer des Damen-Verbandsligisten TV Borken über Aktivitäten im luftleeren Raum

 

Nach der Saison ist vor der Saison, heißt es. Weil’s aber die Handball-Spielzeit 2020/2021 im Zuständigkeitsbereich des Handballverbands Niederrhein (HVN) durch deren Annullierung faktisch gar nicht gab, muss auch das Trainergespann des Damen-Verbandsligisten TV Borken eine Brücke bauen. Und zwar eine im XXL-Format. Denn deren Pfeiler liegen praktisch über ein Jahr voneinander entfernt.

 

Im Sommer 2020 hatte Jörg Levermann mit seinem Trainerkollegen Michele Grimmelt im Team der Verbandsliga-Damen des TV Borken einen personellen Umbruch eingeleitet. Dann kam die Nicht-Saison. Jetzt ist er froh, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Er vermutet: „Jeder möchte gerne sehen, wohin unser Weg wirklich führt..“

„Es wird die längste Vorbereitung, die wir je hatten“, sagt Borkens Trainer Jörg Levermann im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Martin Ilgen. Aber auch: „Wir werden jeden Tag gut gebrauchen können.“

 

Im Spielbetrieb würden wir nun über den Saison-Endspurt sprechen. Die SG Überruhr, die HSG Alpen/Rheinberg und der ATV Biesel wären jetzt Ihre letzten Gegner…

Levermann: Das mag sein. Aber ich habe längst nicht mehr unsere Termine und Gegner im Kopf. Ich erinnere mich nur daran, dass wohl am zweiten Mai-Wochenende die Spielzeit geendet hätte.

Stattdessen müssen Sie sich in Zeiten wie diesen überlegen, wie Sie die Mannschaft bei Laune halten. Gelingt Ihnen das?

Levermann: Wir haben uns alle nicht aus den Augen verloren, pflegen den Kontakt. Und auch für die Fitness hat die Mannschaft viel getan. Mein Trainerkollege Michele Grimmelt und ich haben bis zu den Osterferien Individualprogramme koordiniert. In den Ferien haben sich dann Zweierteams Challenges gestellt. Eigentlich hatten wir gehofft, dass wir uns nun anschließend auf Abstand zu einer Siegerehrung treffen können. Aber das funktioniert ja leider noch nicht.

 

Ehre, wem Ehre gebührt. Wer hat denn die Challenge gewonnen?

Levermann: Unterm Strich die ganze Mannschaft! Alle haben super mitgezogen. Nach Punkten hatten gleich mehrere Duos die Nase vorn. Es ist uns Trainern also wohl gelungen, sehr ausgeglichene Zweierteams zu bilden.

 

Und wie lautet nun Ihre neue Ansage an die Mannschaft?

Levermann: Leider weiß ja niemand, wann wir wie und wo wieder richtig trainieren dürfen. Und wir wollen es auch nicht übertreiben. Also kann jede Spielerin derzeit selber für sich entscheiden, ob und wenn ja, was sie machen möchte. Wir befinden uns nun in einer mehrwöchigen Pause, die wir aber ohnehin jedes Jahr im Frühjahr einlegen.

 

„Es wird viel Arbeit anstehen. Deutlich mehr also sonst.“

 

Nächster offizieller Termin ist der 31. Mai. Bis dahin muss die Meldung der Mannschaft beim Verband eingegangen sein…

Levermann: Was unsere emsige und umsichtige Abteilungsführung erledigen wird. Wir Trainer sind fürs Sportliche zuständig und brauchen normalerweise zehn Wochen für eine konstruktive Vorbereitung einer neuen Saison. Sollte es die Lage also tatsächlich zulassen, dass im Spätsommer die Spielzeit 2021/2022 ungefährlich gestartet werden kann, werden wir jeden Tag gut zur Vorbereitung darauf gebrauchen können. Es wird viel Arbeit anstehen. Deutlich mehr also sonst. Und diese Arbeit hat dann auch irgendwann mal im Speziellen mit der Wiedergewöhnung an den Ball zu tun. Schließlich hatten wir den seit Monaten nicht mehr zwischen den Fingern.

 

„Das fühlt sich alles nicht komplett an.“

 

Wird‘s dann auch neue Gesichter in Ihrer Trainingsgruppe geben? Werden Sie auf Spielerinnen künftig verzichten müssen?

Levermann: Als wir Trainer uns im Winter entschlossen haben noch ein weiteres Jahr dranzuhängen, hatten wir zuvor in die Mannschaft hineingehorcht. Damals haben wir von keiner Planung gehört, dass uns jemand verlassen will. Und dabei ist es bis heute geblieben. Worüber wir sehr froh sind. Wir haben ja im Sommer des Vorjahres einen Umbruch im Team eingeleitet, dann die paar Begegnungen bis Oktober gespielt. Das fühlt sich alles nicht komplett an. Ganz so, als hätten wir angefangen, uns die Schuhe zuzubinden, aber seien damit nicht fertiggeworden. Ich denke, dieses Gefühl steckt auch in jeder einzelnen Spielerin. Da möchte jede gerne sehen, wohin unser Weg nach dem Umbruch wirklich führt. Ich denke, dass es nach dieser Nicht-Saison generell wenig Transferbewegungen bei den Vereinen geben wird. Wir jedenfalls haben keinen Neuzugang zu vermelden.

 

Eine letzte Frage: Sie haben von den Aktivitäten der Mannschaft ohne Spielbetrieb berichtet. Konnten auch Sie als Coach die Zeit nutzen?

Levermann: Durchaus und im Sinne der Mannschaft. Ich habe zum Beispiel an Online-Fortbildungen des Verbandes für Trainer teilgenommen und habe damit in vielen Bereichen dazugelernt.