Muster-Klub stößt an räumliche Grenzen

Der TV Borken ist in der kommenden Saison in allen Altersklassen lückenlos besetzt.

Der Nachwuchs von heute ist die Zukunft von morgen. Ein geflügelter Satz, der für die Handball-Abteilung des TV Borken glänzende Aussichten verspricht. Der Klub hat Zeit und Kraft investiert. Und Leidenschaft. In die eigene Jugend, in der er nun lückenlos unterwegs ist. Denn durchgehend von den „Minions“, also etwa ab den Dreijährigen, bis hoch zur A-Jugend hat der TV Borken alle Altersklassen durchgehend besetzt. Weiblich und männlich. Versteht sich. 18 Nachwuchs-Mannschaften stellt der TV Borken, 16 von ihnen schickt er in der kommenden Saison in den Spielbetrieb.

Die Borkener A-Junioren des Trainergespanns Tim Westheider (links) und Leon Arndt (rechts) streben erneut die Qualifikation für die zweithöchste deutsche Spielklasse an.

„Diese Größe einer Jugend-Abteilung ist im weiten Umfeld der Verbände des Niederrheins und Westfalens sehr, sehr selten“, sagt Hendrik Tacke und gesteht: „Das macht uns schon stolz.“ Tacke ist damit Leiter einer Sparte, die in der jüngsten Vergangenheit Außergewöhnliches geschafft hat. Denn über die Hälfte der über 500 Abteilungsmitglieder spielen in Jugendteams. Und das mit einer ausgezeichneten Perspektive. Denn oberhalb davon bilden gleich fünf Senioren-Mannschaften Auffangbecken für jeden, der der Jugend kurz- oder mittelfristig entwächst.

Flaggschiffe im ambitionierten Umfeld

 

Die Flaggschiffe des Klubs sind derweil im ambitionierten Umfeld unterwegs. Das der Herren in der Landesliga, das der Damen sogar in der Verbandsliga. Ende Mai übernimmt Sven Esser den Landesligisten als Coach. Ein gefragter Mann in der Szene, der sich weniger von Gefühlen sondern vielmehr von guten Argumenten leiten lässt. Und für ihn war jenes besondere Augenmerk des TV Borken auf die Jugend ein triftiger Grund für sein „Ja-Wort“ in der Kreisstadt…

Aber zurück zum Nachwuchs, der noch vor drei Jahren zumindest in Teilen eine Borkener Problemzone war. Tacke erinnert sich: „In der Saison 2017/2018 hatten wir keine A-Jugend. Weder weiblich noch männlich. Damals bestand die Gefahr, dass unser Seniorenbereich weder quantitativ noch qualitativ Nachschub erhält und zudem ein Dominoeffekt eintritt. Nämlich, dass die Lücken in die unteren Jugendbereiche durchschlagen könnten. Dagegen mussten wir ansteuern. Und das haben wir getan.“

A-Junioren wollen erneut in die Regionalliga

 

In der Spielzeit 2019/2020 konnte der Klub wieder eine weibliche A-Jugend ins Rennen schicken. In der Folgesaison auch wieder eine männliche. Und die qualifizierte sich prompt für die Teilnahme am Spielbetrieb in der Regionalliga. Ein Kunstwerk, das die Mannschaft aufgrund des Saisonabbruchs in der zweithöchsten deutschen Spielklasse jedoch nicht vollenden konnte. Im Sommer will das Team einen neuen Anlauf auf die Regionalliga starten, während die C-Junioren und -Juniorinnen des Klubs eine Heimat in der Oberliga anstreben.

„Mein Dank gilt speziell den Jugendwarten Isabell Spangemacher, Robert Greving, Holger Waschkowski und Frederick Brill, aber auch unserem gesamten 40-köpfigen Trainerteam. In den Gesprächen zur Vorbereitung auf die kommende Saison konnten wir sehr schnell die leitenden Positionen in den Teams besetzen“, betont Tacke. „Sehr viele Engagierte stehen eben für unseren Erfolg.“ Und der fängt in der Borkener Handball-Familie schon bei den Bambinis an.

Zwischenzeitlicher Aufnahmestopp

 

Vor zehn Jahren hatte Eva Westheider jene Gruppe für die Jüngsten gegründet. Schnell wurden daraus zwei, dann drei. Aufgrund des Zulaufs sah sich der Klub zwischenzeitlich gar zu einem Aufnahmestopp veranlasst. Darüber hinaus organisiert die ehemalige Verbandsliga-Spielerin mit ihrem Mann Tim seit 2012 Handballcamps in Eigenregie. Letzterer ist zudem auch für die Zusammenarbeit mit der Judokus-Nünning-Gesamtschule in Gemen verantwortlich – und bildet damit ein Scharnier zwischen Schul- und Vereinssport.

„Wir legen zudem großen Wert auf die Qualifizierung unserer Trainer“, zählt Tacke eine weitere Säule des Erfolgs auf. „Die Zahl der qualifizierten Übungsleiter und der Trainer mit B- oder C-Schein wächst bei uns kontinuierlich.“ Darüber hinaus bieten unter anderem das jährliche Jugend-Freiluftturnier an Christi Himmelfahrt und die traditionelle Pfingstabschlussfahrt attraktive Möglichkeiten für den Nachwuchs, auch teamübergreifend Kontakte im Verein zu knüpfen oder zu intensivieren. „Wir wollen ein Wohlgefühl für alle im Verein erzeugen“, sagt Tacke, der glücklich ist, dass die Coaches in Tagen wie diesen über Online-Challenges nicht nur den Draht zu ihren Teams pflegen, sondern die auch mit Trainingsanleitungen in Bewegung halten.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

 

„Ich denke, unser Blick in die Zeit nach Corona darf ein sehr zuversichtlicher sein“, sagt der Spartenchef. Gleichwohl habe ich den großen Wunsch, dass wir auch sehr bald wieder mit den Aktivitäten im Teamverbund starten können.“ Unabhängig von der Pandemie äußert Tacke ein weiteres Anliegen: „Bei insgesamt 23 Mannschaften ist die Knappheit der Hallenzeiten der Stadt und des Kreises Borken ein großes Problem für uns. Wir brauchen dringend einen deutlich höheren Anteil.“

Der lückenlose Zuspruch bei den Handballern des TV Borken stößt damit an Grenzen: Raum für Bewegung. Platz für Vereinssport. Schranken, die es eigentlich nicht geben darf. Schon gar nicht, wenn es um die Jugend geht.