Nach Meldeschluss sind‘s 17 Jugend-Teams weniger im Westmünsterland

Kreis-Jugendwart Kuth: „Wir müssen etwas tun“

 

Vor vier Wochen, gegen Ende der Sommerferien, hatte er eine böse Vorahnung. Jetzt liegen Michael Kuth, dem Tischtennis-Jugendwart im Kreis Westmünsterland, die Zahlen schwarz auf weiß vor. Vergangenen Freitag war Team-Meldeschluss. Und nach Jahren des moderaten Rückgangs sackten die Mannschaftsmeldungen im Nachwuchsbereich im Vorfeld der kommenden Saison kräftig ab.

 

Die Pandemie hat die Situation im Tischtennis-Nachwuchsbereich verschärft. In der Vorsaison wollten noch 57 Teams aus dem Westmünsterland im Ligabetrieb zum Schläger greifen. Jetzt nur noch 40.

„Die Pandemie hat die Situation verschärft“, sagt Michael Kuth, der von einem Rückgang von knapp 30 Prozent berichtet, für die Zukunft aber dennoch nicht schwarz sieht. Klar sei: „Die Situation nach den Lockdowns ist eine besondere.“ Klar sei aber auch: „Wir müssen handeln. Ich bin mir sicher, dass wir in einem Jahr wieder stabilere Zahlen vorweisen können.“

Zu den Fakten: Die Zahl der Tischtennis-Vereine im Kreis Westmünsterland blieb mit 30 im Vergleich zur Vorsaison zwar unverändert. Doch hatten die für die Saison 2020/2021 insgesamt 57 Jugendteams für den Spielbetrieb auf Kreis- und Bezirksebene gemeldet, sind es jetzt nur noch 40. Erhöht hat sich gleichzeitig die Zahl jener Klubs im Kreis Westmünsterland, die überhaupt kein Nachwuchsteam mehr stellen – nämlich von sieben im Vorjahr auf nun elf.

Der aktive Spieler beim TV Borken und Funktionär im Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV) weiß jedoch, dass der hiesige Kreis mit dem Rückgang um exakt 29,83 Prozent an Meldungen im Jugendbereich kein Alleinstellungsmerkmal besitzt. „In anderen Kreisen dürfte die Situation sehr ähnlich sein“, sagt er. Und überhaupt: Nicht nur der Tischtennis-Sport musste unter Corona leiden. „Die Pandemie hat ein derartiges Problem allgemein im Breitensport, vor allem natürlich in Hallensportarten, verursacht. Der Trend ist also nicht Tischtennis-spezifisch.“ Und im Anschluss an die Ferien habe er schon wieder mehr Jugendliche in den Hallen an den Platten gesehen.

Erste sichtbare Schritte der Entspannung also und Grund zur Hoffnung? Für Kuth schon. „Das Leben muss sich erst wieder normalisieren. Dann wird auch die Jugend wieder vermehrt nicht nur zum Tischtennis finden, sondern auch Interesse daran entwickeln, in einen regelmäßigen Spielbetrieb einzusteigen.“

„Jetzt aber haben die Vereine lieber defensiv gemeldet“, erklärt Kuth. „Um Team-Abmeldungen mangels Masse aus dem laufenden Saisonbetrieb vorzubeugen, wollen sie nun erst sehen und abwarten, wer von den jungen Spielern wirklich dabei bleibt. Nach der Rückrunde sehen wir diesbezüglich klarer.“ Er ist überzeugt davon, dass dann die Zahlen anders aussehen – und nicht irgendwann sein Ehrenamt als Kreis-Jugendwart überflüssig wird, weil’s keinen Nachwuchs mehr gibt. „Dafür ist dieser Sport einfach zu attraktiv“, sagt er.

Darauf verlassen, dass die Jugend die Attraktivität des Tischtennis von selbst (wieder) entdeckt, dürfe man sich jedoch nicht. „Wir müssen etwas tun, um die Jugend in diesen Sport zu bringen“, sagt er und berichtet von Geldern, die der Landessportbund und der WTTV dafür „unkompliziert“ (Kuth) zur Verfügung stelle. Für Projekte und Aktionen in Vereinen und Schulen. Die Zeiten, in denen Vereinssport im Mittelpunkt der jugendlichen Freizeitgestaltung steht, sind eben längst vorbei. Klubs und Verbände müssen werben. In eigener Sache. Und dabei den Nachwuchs abholen.

Der gegenwärtige deutliche Rückgang an gemeldeten Jugendteams sei übrigens unabhängig von der Größe der Vereine, berichtet Kuth, der sich jedoch über die konstanten, sogar ganz leicht steigenden Team-Zahlen im Erwachsenenbereich im Kreis Westmünsterland etwas wundert. „Da sind die Hallen voll“, sagt er und hofft, dass er das sehr bald auch wieder über den Trainings- und Spielbetrieb bei der Jugend sagen kann.