Regionalliga-Genussreise des TV Borken endet abrupt

Saisonabbruch in der zweithöchsten deutschen Spielklasse stoppt die A-Junioren

 

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte durfte der älteste Handball-Nachwuchs des TV Borken in der zweithöchsten deutschen Spielklasse aktiv werden. Aber nur 14 Tage lang, in drei Partien. Jetzt wurde die Saison in der Regionalliga Nordrhein abgebrochen.

 

Für Lars Schlusemann (Mitte) und die A-Junioren des TV Borken ist die Regionalliga-Saison beendet. Nun wollen das Handball-Talent und der Klub die Reise durch die zweithöchste deutsche Spielklasse in der kommenden Spielzeit nachholen.

Als „Genussreise“ hatte der TV Borken diese Jungfernfahrt seiner A-Junioren im Gewässer der zweithöchsten deutschen Spielklasse im Handball-Katalog im Sommer 2020 gebucht. „Wann bekommt man schon mal so eine Chance, derart hochklassig Erfahrung sammeln zu dürfen?“, fragte Trainer Tim Westheider vor dem klubhistorischen Start in die erste Regionalliga-Saison des Borkener Nachwuchses. Umso ernüchterter nahm der Coach nun die Entscheidung des Reiseveranstalters „Handball Nordrhein“ (HNR) zur Kenntnis, die Tour vorzeitig abzubrechen. Der HNR hatte sich in einem Video-Meeting die Meinung der Trainer eingeholt und entschied nun: Die Regionalliga-Saison 2020/2021 wird ohne Wertung beendet.

Auch Westheider hatte sich am 22. Januar in die Zoom-Konferenz reingeklickt. Und er macht nun weder aus seiner Enttäuschung über die Entscheidung noch aus seiner persönlichen Meinung kein Geheimnis: „Ich war gegen einen Abbruch. Ich hatte vielmehr gehofft, dass wir den zeitlichen Druck herausnehmen. Wir hätten im April, Mai, Juni oder von mir aus auch im Juli noch weiterspielen können“, sagt der Trainer des TV Borken, dessen A-Junioren nun lediglich zwischen dem 20. September und 4. Oktober nur zwei Wochen lang Regionalliga-Luft schnuppern durften.

In der Vorrundengruppe C lag Borken als Vierter auf Kurs Richtung Meisterrunde, die eigentlich im Dezember starten sollte. Doch Corona hatte da den Spielbetrieb längst auf Null gedrückt. Nun steht fest: Nichts geht mehr in dieser Saison, die, so Westheider, „ein Erlebnis für uns alle werden sollte“.

Den Verbandsbeschluss bedauert er speziell für sein Quartett aus dem Altjahrgang. „Dominik Kutsch, Lukas Dahlhaus, Julian Thiemann und Nikolai Bolger hatten in dieser Saison zum letzten Mal die Chance, als Jugendliche so hoch spielen zu können. Die wurde ihnen nun genommen. Ich meine verfrüht.“

Mit seiner Ansicht, die Flinte in Sachen Spielbetrieb noch nicht ins Korn zu werfen, stand Westheider übrigens nicht alleine da. Auch andere Konferenz-Teilnehmer outeten sich als Befürworter eines Aufschubs der endgültigen Entscheidung, um damit der Wiederaufnahme des Regionalliga-Spielbetriebs noch eine Chance zu geben. Die Mehrheit der Klub-Verantwortlichen wollte jedoch Planungssicherheit. Und die kann es in Zeiten wie diesen eben nur über einen radikalen Schnitt geben: Abbruch.

Der HNR-Vorstand entschied darüber hinaus, dass es in der kommenden Spielzeit 2021/2022 keine Festplätze in der Regionalliga geben wird. Qualifikationen für diese Saison verlieren ihre Gültigkeit, alle Klubs müssen sich für einen Platz in der zweithöchsten deutschen Jugendspielklasse neu bewerben. Über Qualifikationsturniere. Wann da aber starten können, ist freilich noch völlig offen.

„Das packen wir. Wir wollen und werden erneut dabei sein“, sagt Westheider überzeugt und verweist darauf, dass der Großteil seines aktuellen 18-Mann-Kaders nach dieser Spielzeit lediglich aus dem Jung- in den Altjahrgang der A-Junioren übergeht. Mit dem Borkener Eigengewächs Lars Schlusemann sowie Christian Bockamp, Lennart Berger und Tom Lensing vom Kooperationspartner SV Schermbeck standen in dieser Saison sogar vier Akteure im Kader, die noch in der B-Jugend hätten spielen dürften.

Und auch Westheider musste nicht lange überlegen, ob er nun noch eine weitere Saison dranhängt. Er und auch sein Assistent Leon Arndt dehnen ihr Engagement als Borkener Trainer aus. Und das in der berechtigten Hoffnung darauf, dass die geplante zweite Reise durchs Bundesliga-Unterhaus mit ihrem ambitionierten Nachwuchs ein Genuss in Vollendung wird.