Sven Esser will gestalten, nicht verwalten

Neuer Trainer des TV Borken startet mit dem Landesligisten morgen in die Vorbereitung

 

Vor vier Wochen endete eine Ära. Ein leiser Abschied. Wie so vieles in Zeiten von Corona, in der Ellbogenchecks Hochkonjunktur haben, Handschläge nicht angesagt sind. Am 30. Mai übernahm Sven Esser offiziell den Trainerjob bei den Handballern des TV Borken, die zuvor André Slawski sechs Jahre lang in der Landesliga zunächst auf Flughöhe brachte – und dann dort stabilisierte.

 

Zehn Wochen hat Neu-Trainer Sven Esser Zeit, um seine neue Mannschaft für die Saison fit zu machen und ihr seine Spielidee zu vermitteln. Sein Augenmerk gilt jedoch auch der Jugend des TV Borken, aus der Dominik Kutsch (rechts) zur Ersten stößt.

„Ich habe Achtung vor seiner Arbeit“, sagt Esser, der vom Bezirksligisten HSG Haldern/Mehrhoog/Isselburg kam. In die Fußstapfen des 47-Jährigen möchte der Inhaber der Trainer-B-Lizenz jedoch nicht treten. Er will vielmehr seinen Weg gehen, eigene Spuren hinterlassen, möchte gestalten, nicht verwalten. Am morgigen Freitag will er damit anfangen. Dann startet er mit seiner neuen Mannschaft in die Vorbereitung der Saison 2021/2022.

„Ich hoffe, dass wir weit kommen“, sagt Esser mit Blick auf den Punktspiel-Auftakt am 18. September gegen den TuS Lintfort, dem die Pflicht im Kreispokal beim Bezirksligisten SV Friedrichsfeld am 11. September vorgeschaltet ist. Esser hat eben viele Ideen im Kopf, will seine Spielphilosophie in Fleisch und Blut der Seinen übergehen lassen. „Aber das kann schon mal dauern. Manchmal sogar ein, zwei ganze Spielzeiten“, sagt er. Über all seinen Gedanken an die neue Saison steht jedoch die Sorge, dass das Virus doch noch mal den Amateursport lähmen könnte. „Dann wären wir Handballer wieder die ersten, die zurückstecken müssen. Noch mal eine so lange Pause, das wäre für die Vereine eine Katastrophe. Eine ganz normale Saison, die wäre nun sowas von wichtig“, sagt er und hofft, dass alles glatt läuft.

Zehn Wochen bis zum Saisonstart

 

Damit es auch sportlich für den TV Borken läuft, dafür will er in den nächsten zehn Wochen Hand anlegen. Verbal hat er damit bereits begonnen: „Ich habe viele Gespräche mit meinen Spielern geführt, persönliche Befindlichkeiten, aber natürlich auch sportliche Belange thematisiert. Ich musste mich einarbeiten und habe mir einen guten Überblick verschaffen können“, berichtet Esser, der vom Fitnessstand seiner Spieler „einen ganz guten Eindruck“ hat.

Esser will es daher zunächst so handhaben wie die meisten seiner Trainerkollegen. „Die Jungs wollen den Ball zurück. Und den bekommen sie. Sie brauchen wieder das Gefühl fürs Spielgerät. Und außerdem sind unsere Hallenzeiten zu kostbar, um die für Ausdauerläufe draußen herzuschenken.“ Sukzessive will er in den kommenden Wochen seine Spielidee vermitteln, „viel im taktischen Bereich arbeiten und auch die Abwehr modifizieren“, wie er sagt. Nicht zuletzt möchte der neue Trainer eben auch eine gute Borkener Tradition fortsetzten. Der TV gehörte in den vergangenen Spielzeiten stets zu den Landesligisten mit den wenigsten Gegentoren.

Lukas Dahlhaus und Dominik Kutsch kommen aus der Jugend

 

Apropos Tradition: Auch mit einer weiteren will Esser nicht brechen, weil er darin „ein Pfund“ des Klubs identifiziert. Es ist der behutsame Einbau klubeigener A-Junioren ins Landesliga-Team. Ein Duo hat er bereits fix in seinen Kader aufgenommen: Lukas Dahlhaus und Dominik Kutsch waren zuletzt mit dem Borkener Nachwuchs in der Regionalliga zweitklassig unterwegs.

Die beiden sollen aber nur der Anfang einer Integrationswelle in Essers Amtszeit sein. Als „sehr günstig für den Informationsfluss“ erachtet er die Konstellation, dass mit Leon Arndt der Co-Trainer der A-Junioren in seiner Mannschaft spielt. „Wir haben also einen kurzen Draht“, so Esser, der sich aber auch immer wieder selbst vom Leistungsstand des Nachwuchses überzeugen will – und sukzessive die Trainingsintensität in seinem Team in den nächsten Wochen anziehen wird.

Testspiele inklusive. Erster Sparringspartner wird am 31. Juli der Verbandsligist HC TV Rhede sein. Eine Woche später folgt ein Test gegen den westfälischen Landesligisten TV Vreden (7. August). Auch zwei Duelle gegen den Verbandsligisten HSG Wesel sind bereits terminlich fixiert: am 21. August und 4. September.

 

„Ich habe bereits eine funktionierende Einheit“

 

Zwischendurch schlägt der Landesligist ein Trainingslager auf, in dem drei weitere Vorbereitungsspiele geplant sind. In einem solchen Camp wollen Coaches gemeinhin das Innenleben, den Teamspirit, ihrer Mannschaften nachhaltig stärken. Esser sieht dazu jedoch keine Veranlassung. „Ich habe bereits eine funktionierende Einheit“, sagt er und will ab morgen im Training seine Auffassung von Handball seinem neuen Team näherbringen. „Und dann, ab Mitte September, werden wir sehen, wo die Reise hingeht.“

Das wichtigste Reiseziel in so unsicheren Zeiten wie diesen ist jedoch ein Datum: der letzte Landesliga-Spieltag am 14. Mai 2022.