TV Borken verlässt die Kreisliga

BZ-Serie: Ein „legendäres Sportereignis“ – im Handball

 

Es war an einem Sonntagabend im Jahr 1978, als die erste Herrenhandball-Mannschaft vom TV Borken Vereinsgeschichte schrieb. Am 9. April setzten sich die Schützlinge des Trainer-Duos Herbert Hengstermann/Ölle Brumann in der Dreifachhalle an den Berufsbildenden Schulen mit 20:17 gegen die TG Ückendorf durch und machten damit bereits vier Spieltage vor dem Saisonende in der Kreisliga Ruhr den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt.

 

Der Kreisvorsitzende Wolfgang Eckert (oben links) ehrte den Bezirksliga-Aufsteiger TV Borken mit Trainer Hengstermann, Banno Busch, Alfons Schupp, Karl Benien, Trainer „Ölle“ Brumann, Geschäftsführer Rainer Beckmann, Abteilungsleiter Fritz Krüger (oben von links), Heiner Brill, Bernd Telgmann, Uli Beckmann, Bernfried Rudde, Franz-Josef Jüditz, Theo Benien und Wolfgang Rickert. Es fehlt: Bernhard Lüdke.

Es war das erste Mal überhaupt, dass der TV Borken den Sprung auf die Ebene des Bezirks schaffte. Dementsprechend wurde gefeiert. Bernfried Rudde, der damalige Torsteher der Erfolgstruppe, berichtet: „Es ging gleich ins Vereinslokal Lindenhof. Und da ging es richtig rund. Da wurde auch mal ausprobiert, ob der Kronleuchter mit einem Spieler dranhängend eine ganze Runde schafft.“

Der Turnverein dominierte in der Saison 1977/1978 die Kreisliga nach Belieben (Rudde: „Wir hatten schon eine richtig gute Truppe“), tat sich gegen Ückendorf aber schwerer als erwartet. Borken führte zwar schnell mit 3:1, ließ sich dann aber vom „Schlafwagenstil“ der Gastgeber einlullen. Und
so ging Ückendorf sogar mit einer 8:7-Führung in die Pause.

Die TG hielt die Begegnung auch nach dem Seitenwechsel zunächst offen, ehe sich die Kreisstädter vorentscheidend auf 15:12 absetzten und diesen Dreitore-Vorsprung bis zum Ende hielten. Es war das 21. Spiel ohne Niederlage am Stück für den TV Borken, der damit gleichzeitig die Meisterschaft klar machte, weil der direkte Verfolger TB Beckhausen gegen Schwarz-Weiß Gelsenkirchen-Süd nicht über ein 12:12-Remis hinaus kam. „Der Sprung in die Bezirksliga war damals natürlich auch für unseren damaligen Abteilungsleiter Fritz Krüger ein echtes Highlight“, erinnert sich Rudde immer noch gerne an die Aufstiegspremiere des Vereins.

Richtig offiziell wurde es dann am letzten Spieltag der Saison. Der Vorsitzende des Handballkreises Ruhr Wolfgang Eckert war eigens nach Borken gereist und gratulierte dem Team und dem Verein vor dem Heimspiel gegen die Spielvereinigung Wattenscheid-Eppendorf zum errungenen Titel.

Borkens Handball-Chef Lothar Wissing überreichte jedem Spieler eine Erinnerungsplakette. Die Gäste aus Eppendorf hatten anschließend aber nichts zu verschenken. Sie setzten sich beim neuen Titelträger überraschend mit 18:17 durch. Eine Tatsache, für die der damalige BZ-Chronist, der sich anscheinend von der Aufstiegslaune auf Borkener Seite nicht anstecken ließ, deutliche Worte fand: „Der TV Borken verabschiedete sich mit einer schwachen Leistung und vielfach versuchter Schönspielerei aus der Hallensaison 1977/1978. Beim TV Borken vermisste man im Angriff den letzten Biss. Und auch in der Deckung fehlte die geschlossene Harmonie. Heiner Brill alleine konnte die Löcher auch nicht stopfen.“ Borkens Tore in diesem letzten Kreisliga-Spiel erzielten Rickert (6), Beckmann (5), Busch (2), Brill, Schupp, Telgmann, Benien (je 1).