TVB-Handballer erwarten Lintfort, Frauen gastieren in Rhede

Große Vorfreude auf die neue Saison 2021/22

 

Nach der langen Corona-Zwangspause starten am Wochenende auch die Handball-Teams vom TV Borken in ihre neue Saison.

 

In seine vierte Saison startet morgen das Trainergespann Jörg Levermann (oben links) und Michele Grimmelt (oben rechts) mit dem Verbandsligisten TV Borken, Oben von links: Christin Nondorf, Johanna Künstler und Larissa Meier. Mitte von links: Sandra Tepferd, Maike Hörnemann, Teresa Stroick, Sarah Milsom van de Loecht und Luisa Hörnemann. Unten von Links: Nicole Möllmann, Bea Hövelbrinks, Fabienne Rafael, Sarah Möllmann und Maike Weitenberg. Auf dem Foto fehlen: Esther Langenhoff und Sabine Bruckmaier.

Verbandesliga Frauen

 

In der Spielzeit 2019/2020 stoppte der Abbruch den TV Borken auf dem Weg zurück in die Oberliga. Nach der Quotientenregelung musste das Team des Trainergespanns Michele Grimmelt und Jörg Levermann Überruhr den Vortritt lassen. Eine Zentimeter-Entscheidung. In der Vorsaison stoppte dann der frühe Abbruch den eingeleiteten Umbruch. Denn der war vor einem Jahr fällig, nachdem eine Handvoll Leistungsträgerinnen das Verbandsliga-Team verließ. Und jetzt? Ein „Umbruch reloaded“? – Levermann findet diese Bezeichnung treffend nach einer Saison, die nur fünf Spieltage alt wurde und in der etwas begonnen, aber nichts vollendet wurde. „Jetzt fehlt uns dieses eine Jahr Handball-Erfahrung als neu formiertes Team“, sagt er. Wie seine Mannschaft nun mit den anspruchsvollen Aufgaben in der fünfthöchsten Spielklasse zurecht kommt? Die beiden Coaches sind gespannt. Levermann jedenfalls bezeichnet sein Team als „Wundertüte“ und meint damit eine Auswahl, deren Stärke er zwar nicht wirklich einschätzen kann, sich aber gerne überraschen lässt. Bevorzugt positiv.

Gerne hätten er und Grimmelt der Mannschaft in der Vorbereitung mehr Spielpraxis ermöglicht. „Aber da gab‘s Trainerkollegen, die beim Start in die Vorbereitung massig Testspiele vereinbart haben und die dann kurz vor dem Termin feststellten, dass sie überhaupt keine Mannschaft zusammenbekommen“, ärgert sich Levermann über Aktionismus, der ins Leere lief. Auch der TV Borken war von Absagen erhoffter Sparringspartner betroffen.

Und trotzdem: „Nun wird’s Zeit, dass wir zur Normalität zurückkehren und endlich wieder in einen geregelten Spieltrieb kommen“, sagt Levermann, der mit Grimmelt bei den Borkener Damen ins vierte Jahr geht. Till Huber hatte das Team 2016 in die Oberliga geführt. Anschließend mühten sich René Hoffmeister, Andreas Stolz und letztlich auch Interimscoach André Slawski vergeblich, die Damen auf Flughöhe zu halten. Der TV Borken stieg 2018 wieder ab, die beiden Polizisten übernahmen und stehen seither für Kontinuität auf der Trainerposition.

Als Tabellenzwölfter mit nur einem Sieg in den fünf Partien hatten sie die Abbruch-Saison beendet. Die stark verjüngte Mannschaft war da noch auf der Suche nach sich selbst, die Abläufe auf dem Feld waren noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Dass sich der Verbandsligist nun schnell findet, darauf hoffen die Coaches inständig. Aber sie ahnen: Es dürfte eine knifflige Spielzeit werden. Denn zwei „Lebensversicherungen“ (Levermann) werden nur noch bedingt oder kurzfristig überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen. Torjägerin Nummer eins Esther Langenhoff und Torfrau Sabine Bruckmaier.

Die von vielen Klubs umworbene Langenhoff wechselt beruflich nach Köln, will sich dort zwar fit halten, um am Wochenende für den TV Borken zu spielen. Wie lange dieses Modell aber ein für beide Seiten tragfähiges ist, ist unklar. Das kommt für Bruckmaier nicht wirklich in Frage. Denn die hat einen Studienplatz im 260 Kilometer entfernten Gießen ergattert.

Trotz dieser Zäsur und vor dem Auftaktderby am Sonntagnachmittag (16.15 Uhr) beim HC TV Rhede weiß Levermann jedoch: „Das Team geht mit Eifer und Freude an die Sache heran. Unser Ziel ist ein Platz im Mittelfeld. Und den wollen wir so schnell wie möglich nach unten absichern.“

 

Landesliga Männer

 

Fast sechs Jahre lang lag der Landesligist in den Händen von André Slawski. Er prägte eine Mannschaft, die sich nun an einen neuen Trainer gewöhnen musste. Wie oft der nun in der Saison-Vorbereitung hören musste: „Das haben wir früher aber anders gemacht?“ Sven Esser lacht und sagt dann. „Solche Kommentare kamen durchaus schon mal von Spielern. Aber die Sachen, die André mit den Jungs gemacht hat, waren ja nicht schlecht.“

Essers Wertschätzung gegenüber seinem Vorgänger ist jedoch keine Einbahnstraße. Denn Slawski war maßgeblich bei der Suche eines geeigneten Nachfolgers für ihn beteiligt. Er war es, der Esser ins Spiel brachte und damit die Verpflichtung des Inhabers der Trainer-B-Lizenz einfädelte.

Zuvor stand Esser beim Bezirksligisten HSG Haldern/Mehrhoog/Isselburg unter Vertrag, nachdem er mit Jugendteams große Erfolge gefeiert und dann Senioren-Mannschaften bis hoch zur Oberliga trainiert hatte. Nun will der Weseler in Borken Gutes noch etwas besser machen – und sieht dafür auch durch den quantitativ und qualitativ stark besetzten Jugendbereich „ausgezeichnete Voraussetzungen“.

Elf Wochen hat er nun den Turnverein auf die Aufgaben in der Landesliga vorbereitet. Nun sagt er zwar, dass er den Spannungsbogen vor der Saison und nach einer so langen Spielpause kaum noch halten könne, weiß aber auch, dass so manches skizzenhaft blieb. „Ich sehe nun, dass ich meine Grundidee vom Handball vermitteln konnte. Wir werden aber noch etwas Zeit brauchen, bis wir da sind, wo ich hin will.“ Und es hört sich ganz so an, als wolle er aus der Skizze nicht nur ein ausgemaltes Bild machen, sondern vielleicht sogar ein Meisterwerk. Irgendwann. Er weiß: „Im nächsten Jahr entwächst ein weiterer Schwung Spieler im Verein der Jugend.“ Esser freut sich darauf.

Mit Lukas Dahlhaus und Dominik Kutsch kann er bereits in der kommenden Saison planen. Integrationsprobleme? Fehlanzeige. „Alle meine Spieler kennen den Verein. Die mussten also eher ihren Coach integrieren“, sagt er und lacht. Das Lachen vergeht ihm jedoch beim Blick auf die Liste seines zur Verfügung stehenden Personals. Die ist bedenklich kurz geworden. Hendrik Gesing und Carlo Kersting plagen sich noch mit Knieproblemen herum, Routinier Steffen Wienand hat die Bizepssehne entzündet, muss den Wurfarm schonen, Simon Stegger absolviert noch bis Ende Oktober ein Praktikum in Frankfurt. Und im ersten Spiel am Sonntag (11.15 Uhr) gegen den TuS Lintfort fehlt auch noch der urlaubende Sergei Frese. Immerhin: Bis zu den Herbstferien will Johann Slawski noch im Team aushelfen, ehe er seinen Lebensmittelpunkt nach Düsseldorf verlegt. Pascal Hellenkamp aus der Zweiten und A-Junior Frederik Gesing werden ebenso Löcher stopfen. „Auf den Verein ist Verlass“, stellt Esser schon nach wenigen Wochen der Zusammenarbeit fest.

Verlass war in jüngster Vergangenheit aber ebenso auf die Abwehr des Landesligisten. Ein Prunkstück, das Jahr für Jahr eine Ausnahmestellung in der Liga genoss. Drum setzte Esser vor allem den Hebel im Angriffsspiel an, damit aus einer akzeptablen Saison vielleicht sogar eine richtig gelungene wird. In der Vorsaison hatte das Virus den TV Borken als Tabellenführer gestoppt. „Natürlich wollen wir wieder oben mitspielen“, sagt Esser, aber auch: „Erfolg kann man nicht nur an messbaren Zahlen ablesen, sondern auch an einer sichtbaren Weiterentwicklung. Wenn ich die sehe, dann wäre die Saison richtig gut.“