So richtig rund fühlte sich das zunächst gar nicht an. „Zwei Fehlpässe, ein Fehlwurf“, schüttelt Frederik Gesing den Kopf. „Nach einer Viertelstunde bin ich mal kurz vom Feld gegangen.“ Einmal durchatmen, dann beorderte Trainer Christian Summen ihn zurück aufs Parkett. Und „Jupp“, wie alle den 23-Jährigen nennen, erwischte einen Lauf vom Feinsten: sieben Tore binnen 15 Minuten, 14 insgesamt, und wahrscheinlich wären es noch mehr geworden, hätte Gegner TB Oberhausen ihn nicht Mitte der zweiten Halbzeit in eine Manndeckung genommen. „Wenn es einmal läuft, hörst du nicht mehr auf zu werfen“, lächelt Gesing, der aber seinen eigenen Auftritt beim 40:39-Sieg der TV-Handballer gegen den Titelanwärter gar nicht zu hoch hängen will: „Das war eine richtig gute Teamleistung!“
„Wenn es einmal läuft, hörst du nicht mehr auf zu werfen.“
Frederik Gesing
Die 14 Treffer sind die eine Sache. Noch bedeutender erscheint der Umstand, dass sich Frederik Gesing überhaupt mit Volldampf in den Verbandsliga-Spielbetrieb stürzen kann. Denn nach einer Rücken-OP musste er fast eineinhalb Jahre pausieren. Probleme hatte er schon länger, „dann ist es mir in einem Zweikampf im Training richtig reingeschossen“, erinnert er sich an die Situation Anfang Oktober 2024. Eine Bandscheiben-OP war unumgänglich, anschließend folgten die Rehamaßnahmen und damit verbunden eine lange Zwangspause in der körperlich extrem anspruchsvollen Sportart Handball. „Mit einem beruflichen Aufenthalt in Bayern sind daraus die fast eineinhalb Jahre geworden“, erklärt er.
Harte Zeiten für einen Vollblut-Sportler. „Für mich war auch nicht klar, ob ich wieder anfangen werde“, gibt der 23-Jährige zu. Ganz lösen konnte und wollte er sich vom Handball nicht, unterstützte zum Beispiel Trainer Sven Esser als Co. Ansonsten war Geduld gefragt. Und die Suche nach Alternativen. „In der Zeit bin ich viel gejoggt und habe im Fitnessstudio an der Rumpfstabilität gearbeitet“, blickt er zurück. Padel-Tennis kam irgendwann dazu, aber kein Kontaktsport.
„Letztlich ist ja egal, wer die Tore wirft“
Doch Frederik Gesing durfte auf zwei Positivfaktoren setzen. „Ein Handball-affiner Arzt in der Reha“, lächelt er. „Und der Heilungsprozess ist zum Glück gut gelaufen.“ Im Februar kehrte der Rückraumspieler auf die Platte und in das Team von Christian Summen zurück, hat sich längst wieder als feste Größe etabliert.
So sehr, dass der Gegner aus Oberhausen ihn ebenso wie Marcel Beckmann am Samstag in besagte Manndeckung nahm. Eine Aktion, die nervt? „Ja, wenn der Gegner damit Erfolg hat“, lacht Gesing. „Aber die anderen Jungs haben dann einfach weiter getroffen. Und letztlich ist ja egal, wer die Tore wirft.“ Bis hin zum sicherlich nicht erwarteten 40:39-Auftaktsieg beim Vorjahres-Vizemeister.
Perfekter Start
Ein perfekter Start, aber die Borkener halten die Füße schön auf dem Teppich. „Für uns ist an dem Tag vieles gut gelaufen, aber das nehmen wir gerne mit“, sagt der 23-Jährige, der darauf setzt, dass sich der TV nach Rang acht in der vergangenen Saison ein Stück verbessert. TB Oberhausen, TV Schwafheim, Alstadener TuS, diese Teams nennt er an erster Stelle, wenn es um Meistertitel und Oberliga-Aufstieg geht. „Aber in dem Bereich dahinter würden wir uns gerne einordnen.“
Frederik Gesing will seinen Teil dazu beitragen. Wobei noch die Frage bleibt, warum er in seinem privaten Umfeld natürlich der „Freddy“ ist, im Handball aber einfach nur „Jupp“. Eine Namensgebung, die bereits ein paar Jahre zurückliegt. „Als ich in die erste Mannschaft kam, gab es schon einen Frederik“, zuckt er mit den Schultern. Und es gab die Regelung, dass jeder Name nur einmal auftauchen darf – sonst muss der des Vaters her. Weil auch auf diesem Weg aber bereits ein Teamkollege mit Ulrich versorgt war, musste der Zweitname von Gesing senior herhalten: Josef, oder eben Jupp. „Das ist dabei geblieben, und ich reagiere in der Halle auch nur darauf“, lächelt Gesing. Ob Freddy oder Jupp: Der Rücken hält, die Torquote stimmt.
BZ Frank Wittenberg 25.09.2026